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17.03.2016

NPE zeigt Voraussetzungen einer Batteriezellproduktion in Deutschland auf

Die Batteriezelle ist für die Wertschöpfung eines Elektrofahrzeugs von hoher Bedeutung. Umso wichtiger ist es, die Erfolgsfaktoren für den Aufbau einer Batteriezellproduktion in Deutschland zu prüfen. In welcher Weise und zu welchem Zeitpunkt eine Zellfertigung in Deutschland etabliert werden kann, hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) analysiert und ihre Ergebnisse am 17. März 2016 in einer Roadmap veröffentlicht.

Die Batteriezelle ist ein Schlüsselelement, um die Leitanbieterschaft für Elektromobilität zu verteidigen. Deshalb sollte Deutschland hier nicht den Anschluss verlieren. Ausgehend von dieser Annahme hat die NPE eine Roadmap zur integrierten Zell- und Batterieproduktion in Deutschland erarbeitet.

Dazu Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität und Präsident von acatech: „Die Batterie macht 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung des Elektrofahrzeugs aus. Sie ist Kernstück des Fahrzeuges und damit ein wichtiges Glied in der Wertschöpfungskette. Zugleich bestimmt die Batterie wesentliche Eigenschaften des Elektrofahrzeuges, wie Performance und Kosten und beeinflusst damit unmittelbar die Nutzerakzeptanz der Elektromobilität. Die Batteriezelle ist neben Steuerungselektronik, Software und Kühlung dabei eine relevante Komponente im Batteriesystem.“

Ein Wiedereinstieg in die Zellproduktion ist entsprechend für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großem Interesse. Die NPE verdeutlicht in ihrer Roadmap zur integrierten Zell- und Batterieproduktion in Deutschland jedoch einige Voraussetzungen: Ein erfolgversprechendes globales Marktumfeld, weitere technologische Entwicklungen sowie günstige standortspezifische Energie-, Lohn- und Logistikkosten.

Aktuell dominieren japanische und koreanische Hersteller den Markt. Weltweit sind derzeit Überkapazitäten bei der Batteriezellherstellung vorhanden. Ein Ausbau der Produktion von Batteriezellen der aktuellen Generation (Lithium-Ionen-Zellen) ist aus heutiger Sicht daher wirtschaftlich nicht darstellbar. Bei wachsendem Markterfolg von Elektrofahrzeugen wird die Nachfrage nach Batteriezellen allerdings deutlich ansteigen und einen weiteren Ausbau der globalen Zellproduktion notwendig machen. Auf dieser Basis kann der Betrieb einer Zellfabrik zukünftig auch in Deutschland nachhaltig möglich sein und dadurch die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern reduziert werden.

Die NPE empfiehlt in ihrer Roadmap zur integrierten Zell- und Batterieproduktion den stufenweisen Aufbau einer Zellfabrik mit einer Kapazität von 13 GWh/a bis 2025. Eine Zellproduktion in dieser Größenordnung sichert Know-how und schafft standortabhängig bis zu 1.300 Arbeitsplätze in der Fabrik sowie bis zu 3.000 neue Stellen in dessen Umfeld. Für den Aufbau ist ein Investment von etwa 1,3 Milliarden Euro und finanzielles Durchhaltevermögen notwendig: bis zur Amortisation der Produktion ist ein Zeitraum von bis zu 10 Jahren zu überbrücken.

Dazu Thomas Weber, Mitglied des Vorstandes der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung , Vorsitzender der AG Batterietechnologie der NPE: „Leistungsstarke Batteriesysteme sind der Schlüssel für das emissionsfreie Fahren. Deren Produktion ist auch weiterhin ein wichtiges Innovationsfeld für die deutsche Industrie. Nicht umsonst setzen die deutschen Automobilunternehmen ihren Fokus gerade auf die Steigerung der Kapazitäten. Die Daimler AG investiert beispielsweise 500 Millionen Euro in den Aufbau einer weiteren Batteriefabrik in Kamenz, Deutschland. Der wirtschaftliche Betrieb einer reinen Zellfertigung ist jedoch mit Blick auf den weltweit herrschenden Hyperwettbewerb heute nicht darstellbar – insbesondere nicht durch die deutsche Automobilindustrie. Hohe Produktionsvolumina sind dabei absolute Voraussetzung. Aus Sicht der NPE bietet die nächste Batteriezellgeneration, mit der ab 2020 zu rechnen ist, großes wirtschaftliches Potenzial. Besonders die starke deutsche Zulieferindustrie könnte dann von einem Markteintritt profitieren.“

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall: „Eine Zellproduktion in Deutschland sichert und schafft Arbeitsplätze und Know-how – und sie reduziert die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern. Die Weichen für eine Batteriezellproduktion der nächsten Generation ab 2021 müssen aber heute gestellt werden. Hier ist auch die Bundesregierung gefragt: Sie kann und muss den Entscheidungsprozess in den Unternehmen mit einer klugen Standortpolitik unterstützen.“

Basis für einen möglichen Aufbau einer Batteriezellfertigung in Deutschland sind auch weitreichende Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen hierzulande.

Dazu Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH: „Wir müssen weiterhin in Forschung und Entwicklung von Zell- und Batterietechnologie investieren und auch das Thema Zellproduktion im Auge behalten. In den letzten Jahren hat die gezielte Forschung zu erheblichen Fortschritten bei Traktionsbatterien geführt. Wichtig ist nun, die vielfältigen Kooperationen bei Forschung und Entwicklung effizient zu bündeln und zu koordinieren. Auch die Ausbildung von Experten für Zelltechnologie und Produktionstechnik ist ein wichtiges Thema.“