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07.04.2016

Henning Kagermann beim Batterieforum Deutschland: Wie kann eine Batteriezellproduktion in Deutschland gelingen?

Unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt macht eine Batteriezellfertigung in Deutschland wirtschaftlich und industriepolitisch Sinn? acatech Präsident Henning Kagermann stellte auf dem vierten „Batterieforum Deutschland“ am 6. April in Berlin die von der Nationalen Plattform Elektromobilität entwickelten Ergebnisse für eine nachhaltige Zellproduktion in Deutschland vor.

Die Batteriezelle ist ein Schlüsselelement, um die Leitanbieterschaft für Elektromobilität zu verteidigen. Zu diesem Fazit kommt die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) in ihrer Roadmap zur integrierten Zell- und Batterieproduktion in Deutschland, die auf dem Kongress des Kompetenznetzwerks Lithium Ionen Batterie erläutert wurde.

Dazu Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE und Präsident von acatech: „Die Batterie ist Kernstück des Elektrofahrzeugs und stellt mit 30 bis 40 Prozent einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette dar. Zugleich bestimmt die Batterie wesentliche Eigenschaften des Elektrofahrzeuges, wie Performance und Kosten und beeinflusst damit unmittelbar die Nutzerakzeptanz der Elektromobilität.“

Aktuell dominieren japanische und koreanische Hersteller den Markt. Weltweit sind derzeit Überkapazitäten bei der Batteriezellherstellung vorhanden. Ein Ausbau der Produktion von Batteriezellen der aktuellen Generation (Lithium-Ionen-Zellen) ist aufgrund der dominanten Marktposition von japanischen und koreanischen Herstellern aus heutiger Sicht nicht wirtschaftlich darstellbar. Bei wachsendem Markterfolg von Elektrofahrzeugen wird die Nachfrage nach Batteriezellen allerdings deutlich ansteigen und einen weiteren Ausbau der globalen Zellproduktion notwendig machen. Auf dieser Basis kann der Betrieb einer Zellfabrik zukünftig auch in Deutschland wirtschaftlich werden und die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern reduzieren.

Ein Wiedereinstieg in die Zellproduktion ist nach den Worten des NPE Vorsitzenden entsprechend für Deutschland von großem Interesse. Henning Kagermann machte deutlich, dass dabei jedoch Voraussetzungen erfüllt werden müssten: Ein erfolgversprechendes globales Marktumfeld, weitere technologische Entwicklungen sowie günstige standortspezifische Energie-, Lohn- und Logistikkosten.

Kagermann verwies auf die Empfehlung der NPE, eine Zellfabrik mit einer Kapazität von 13 GWh/a bis 2025 stufenweise aufzubauen. Eine Zellproduktion in dieser Größenordnung sichere Know-how und schaffe standortabhängig bis zu 1.300 Arbeitsplätze in der Fabrik sowie bis zu 3.000 neue Stellen in dessen Umfeld. Für den Aufbau sei ein Investment von etwa 1,3 Milliarden Euro und finanzielles Durchhaltevermögen notwendig. Bis zur Amortisation der Produktion ist ein Zeitraum von bis zu 10 Jahren zu überbrücken.